Jeder, der sich früher oder später mit der Einschulung beschäftigen muss, sollte sich im Vorfeld viel lieber die Frage stellen, ob es ihm/ihr nicht doch möglich ist, auf den Kindergarten oder besser auch lieber auf die Krippe verzichten zu können.

Warum?

Sie Ihrem Kind einen Bärendienst erweisen!

Fremdbetreuung in Kita und Krippe

Kinder sind am besten von den Eltern betreut! Auch wenn Krippe und Kindergarten in der Öffentlichkeit gern als Segen propagiert werden, kann diese Form der Fremdbetreuung die sichere familiäre und geborgene Situation zu Hause nicht ersetzen oder simulieren.

Finden sich die Kleinen zu Hause in der 1 zu 1 Betreuungssituation (oder bei Geschwisterkindern auch 1 zu 2 oder 1 zu 3 usw.) stets vollständig umsorgt und zugewandt, müssen Krippen- und Kindergartenkinder um die Aufmerksamkeit und Zuwendung kämpfen.

Im besten Fall besteht die Kita-Gruppe (Krippe oder Kindergarten) aus „nur“ 20 Kindern mit 2 gut ausgebildeten Erzieher*innen. Verfolgt man die wenigen Presseberichte aufmerksam, so stellt sich vielerorts die Situation anders dar. Verständlich, dass es in der Vergangenheit erheblichen Missmut unter dem Personal der Kitas gab, welcher dann in ausgedehnten Streikmaßnahmen endete.

Schlechte Personalsituation

Neben der immer noch nicht zufrieden stellenden Ausbildung und Qualifikation der Erzieher*innen kommt es immer mehr zu Engpässen in den Kita-Gruppen. Häufig müssen Kräfte vertreten werden oder sie fallen einfach aus (z. B. Krankheit). Durch den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz, sind die Kommunen am Limit mit der Platzvergabe, die Wartelisten werden länger und länger. Eine logische Konsequenz ist die Verschlechterung der Bedingungen durch Aufstockung der Plätze in den Kita-Gruppen.

Kita-Bau und Provisorien

Die Kosten für die Kinderbetreuung sind für die Kommunen und freien Träger in den letzten Jahren enorm gestiegen. Auch wenn es erhebliche Zuschüsse gibt, kamen und kommen Kommunen und Städte nicht mit dem Bau von Kindertagesstätten hinterher. Provisorische Einrichtungen (durch Umwidmung) und Container müssen als Notlösung herhalten.

Echter Bedarf?

So stellt sich die berechtigte Frage, warum der Bedarf nach einer öffentlich geförderten Fremdbetreuung von Kindern auf der einen Seite steigt, die Geburtenrate in Deutschland jedoch sinkt?

Die angeführten Bedarfsfälle sind oft die allein erziehenden Elternteile sowie die gezwungene Berufstätigkeit beider Elternteile aufgrund der nicht ausreichenden Verdienstmöglichkeiten auf dem heutigen Arbeitsmarkt.

Aber ist das wirklich so?

Ist Deutschland als führende Industrienation kein Sozialstaat mehr- oder sind die deutschen Arbeitgeber tatsächlich nur Niedrig-Lohnzahler? Ist es nicht mehr möglich, von einem Verdienst eine Familie zu ernähren? Sind alle getrennten Elternteile Nicht-Unterhaltszahler? Bestimmt trifft das immer wieder zu, aber doch nicht in allen Fällen!

Egoismus der Eltern?!

Ist es nicht in der politischen Landschaft eine zur Doktrin gewordene These, dass es fast schon ein MUSS ist, möglichst schnell nach der Geburt des Kindes dem Arbeitsmarkt wieder zur Verfügung zu stehen? Wo doch Kind und Karriere so gut miteinander vereinbar sind?

Ja, viele Errungenschaften der letzten Jahre und Jahrzehnte machen es in der Tat einfacher, beides zu vereinbaren und umzusetzen. Meines Erachtens ist diese Notwendigkeit und damit der Segen aber nur bei einem kleinen Teil der Familien/Eltern zutreffend.

Autor

Björn Bauch

Über den Autor

Björn Bauch ist langjähriger Leiter einer Grundschule. Sein Ziel ist die Minimierung von Missverständnissen und Unwissenheiten rund um die Themen der Grundschule.

In seiner freien Zeit beschreibt er seine Gedanken und Meinungen zur aktuellen Schulpolitik hier in seinem Grundschulblog. Weiterführende Informationen rund um das Thema Grundschule erhalten Sie auch hier auf den Informationseiten von https://www.grundschul.tips 

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