Ein ewiges, (scheinbar) nicht lösbares Problem vor der Grundschule. Da gibt es die vielen Kinder, die es schaffen, alleine oder in Gruppen zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule zu kommen. Es ist festzustellen, dass in den letzten Jahren die Gruppe der Kindern steigt, die von ihren Eltern mit dem Auto zur Schule gefahren werden. So weit so gut – oder so schlecht.

Warum ist das ein Problem?

Da die Schule für alle Kinder zur gleichen Zeit beginnt, bedeutet das auch einen entsprechenden Ansturm auf die üblichen Zufahrtswege der Schule. Insbesondere auf den Parkplatz mit der kürzesten Distanz zum Haupteingang der Schule. Nun ergeben sich aber folgende Probleme:

Es gibt meist nicht so viele Parkplätze, schon gar nicht direkt am Haupteingang, um den Bedarf der parken wollenden Eltern zu decken. Da aber das Parken in den evtl. vorhandenen Nebenstraßen zu einer größeren Distanz zum Haupteingang führt, sind einige bis viele Autofahrer*innen geneigt, lieber im Kreis zu fahren oder – noch ungünstiger – in 2.er Reihe zu halten.

Moderne bzw. modernisierte Schulen haben mittlerweile eine Bringzone, einen Kiss-and-Go!-Bereich, weiträumige Parkplatzflächen und so weiter. Das ist sehr zu begrüßen! Die große Mehrzahl der Grundschulen jedoch ist aus den alten Volksschulen entstanden, gewachsen im (ehemaligen?) Kern der Gemeinde. Meist mit einem Altbau und kreativen Anbauten und/oder Nebengebäuden mit dem Charme der 70/80er Jahre. Die Grundflächen der Schulgelände haben sich dabei meist nicht mit entwickeln können. Der Bedarf an Parkplätzen bei Errichtung der Schule war stets gleich null, so dass diese – heute erforderlichen Flächen – schlicht weg nicht existieren.

Parkplatzchaos und die Gründe

Das größte und gleichzeitig schwächste Argument ist die Sicherheit des (eigenen!) Kindes. Oft ist der Schulweg scheinbar zu weit (-> ab 2km gibt es eine Buskarte), oder zu gefährlich (-> Schulträger kann und muss die Schulwege in Zusammenarbeit mit der Polizei und den Verkehrsplanungsbehörden entschärfen), oder es wird von den Eltern unterstellt, dass das eigene Kind den Schulweg (noch) nicht bewältigen kann (-> doch, die Kinder schaffen das! Und sie wollen es auch schaffen). Zu guter Letzt ist das Ganze auch noch extrem vom Wetter abhängig. Kommen in den Sommermonaten bzw. bei schönem Wetter doch eindeutig mehr Kinder NICHT mit dem Auto zur Schule, so ist das Chaos im Herbst und Winter bei widrigem Wetter perfekt! Autokorsos vor der Schule, damit die Kinder scheinbar sicher dort ankommen. Sind dann noch die Schulbusse, die in der Regel vor der Schule halten, dabei anzufahren, geht oft gar nichts mehr.

Gefahr für die (anderen) Kinder

Werden nun eine Vielzahl von Kindern aus Sicherheitsgründen mit dem Auto zur Schule gebracht, so steigt die Gefahr für alle Kinder sprunghaft an. Diese müssen sich nun durch eine wesentliche höhere und geballtere Verkehrsdichte zu Fuß oder mit dem Fahrrad den Weg zur Schule bahnen. Durch den Stau auf der Straße direkt vor der Schule und durch die in der 2.ten Reihe parkenden Autos. Immer mit der Gefahr, durch das evtl. notwendige Zurücksetzen von wartenden und parkenden Autos nicht gesehen zu werden. Was fast alle Eltern mit Autos unterschätzen: Das Halten und Aussteigen aus der 2. Reihe, mitten auf der Straße, ist auch für die eigenen Kinder nicht wirklich sicherer sondern viel gefährlicher.

Es gibt Ausnahmen

Ja, zum Glück gibt es aber auch die Ausnahmen. Die Eltern, die ihre Kinder wirklich nur in den Ausnahmefällen zur Schule fahren (z. B. weil viel für ein Projekt zu tragen ist) oder die ihre Kinder mit dem Fahrrad oder zu Fuß auf Ihrem Schulweg begleiten, um ihnen Sicherheit zu geben und/oder den späteren selbstständigen Schulweg zu trainieren. Auch das Gehen/Fahren in der Gruppe ist ein wesentlicher Vorteil zum alleinigen Schulweg.

Aber auch auf der anderen Seite gibt es nachvollziehbare Gründe, sein Kind mit dem Auto zur Schule zu fahren. Diese sind aber in so geringer Anzahl zutreffend, dass diese Eltern nicht wirklich zum Verkehrschaos beitragen würden. Dazu gehören z. B. Inklusionskinder, Kinder mit und ohne Buskarte, deren Weg durch unglückliche Verkehrsführungen oder einfach fehlende Bushaltestellen und Buslinien zu lang und zu umständlich ist. Auch aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass meine Kinder zum Teil auch zur Schule gefahren worden sind, da der reguläre Weg (zu Fuß zur Haltestelle, Busfahrt, Ankunft Schule, Schulbeginn) einfach 90 Minuten und länger dauerte. Das ist für Grundschüler (gerade 1. und 2. Klasse) fast eine Verdopplung der Schulzeit! Oft im ländlichen Raum aufgrund des Kostendruckes beim Träger der Schülerbeförderungen ein hingenommener Zustand. Leider!

Aus diesem Grund sollten alle Beteiligten prüfen, welche Art und Weise der Schulwegbewältigung notwendig und sinnvoll ist und wo die Grenze zur Bequemlichkeit und scheinbaren Sicherheit verschwimmt oder gar nachteilig wird. Wichtig ist ein weises Mittelmaß und das Abwegen von Nutzen und Risiken.

Autor & Herausgeber

Björn Bauch

Über den Autor

Björn Bauch ist langjähriger Leiter einer Grundschule. Sein Ziel ist die Minimierung von Missverständnissen und Unwissenheiten rund um die Themen der Grundschule.

In seiner freien Zeit beschreibt er seine Gedanken und Meinungen zur aktuellen Schulpolitik hier in seinem Grundschulblog. Weiterführende Informationen rund um das Thema Grundschule erhalten Sie auch hier auf den Informationseiten von https://www.grundschul.tips 

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